Juli - Merchandise
Es sollte kein Beinbruch sein. Aber fast. Der Monat begann mit einer schlimmen Knieverletzung. Tristesse bestimmte im Sommer meine Tage. Entweder föhnte ich meine schlechte Stimmung mit krachiger Musik weg oder ich griff zu den Smiths, um mich in der Melancholie zu baden. Gerade die Smiths sind das große Vorbild einer der schönsten Neuentdeckungen gewesen: Merchandise. . All ihre Veröffentlichungen, inklusive der rohen, frühen Werke, gibt es auf der Homepage als Gratisdownload. Die Band aus Florida mit Wurzeln in der dortigen Punk- und Hardcore-Szene wurde im Pitchfork Magazine erwähnt. Auf das neue Album Children Of Desire stieß ich erst Ende des Jahres . Im Sommer hatte ich nur ein Youtube-Video von Time - für mich das schönste Lied des Jahres.
Juni - Japandroids
Nicht mehr lange bis zur Explosion. Von Euphorie und Enthusiasmus. Wir tauchen in eine Menschenmenge ein, sind Teil von ihr, lassen uns treiben. Wir sind eins, wir sind viele.
Die Schwere einer unbeschreiblichen Freude. Die Unbeschwertheit der Jugend. Schweiß und Lachen im Sonnenschein. Das ist der Schalter, den wir umlegen. Mit Schwung in eine neue Richtung.
Das ist das Gefühl des Neuanfangs. Das war der Klang von Celebration Rock im Juni.
Mai - Chromatics
Im Mai ging meine Suche nach der Zukunft weiter. Ich hatte den Entwurf für mein nächstes Kapitel auch schon niedergeschrieben. Darüber stand dick und fett Berlin. Zu der Zeit liefen meine Gedanken und meine Handlungen wie im Traum ab. Reaktion und Aktion griffen von alleine ineinander. Ich hatte bis dahin in genug saure Äpfel gebissen, genug bittere Pillen geschluckt - da wären einige Monate Zähne zusammenbeißen wirklich nichts besonderes gewesen. Ich hatte bereits mit dem, was hinter mir lag, abgeschlossen. Dann tauchte ein neuer Protagonist auf und alles drehte sich im Kreis. Die träumerisch-traumhafte musikalische Untermalung zu der Zeit lieferten Chromatics. Ihr Label heißt “Italians do it better”. Eine Aufforderung, eine Feststellung, eine Mission. Danke Madonna.
April - The Saddest Landscape
Wabbelige Wut im Bauch. Unklare Zukunft vor den Augen. Im April fing meine Suche nach dem “Wie, Was und Wo”. Einer der Orte, an denen ich danach schaute, hieß Berlin. Der Ort, der im Kopf schon hinter mir lag, sorgte noch für Schrecken. Doch in der Hauptstadt konnte ich wieder aufleben, Menschen treffen, die ich liebe. Und natürlich meinen geliebten Jörkk von Love A in Aktion mit Frau Potz. Beide Bands brachten großartige Musik zwischen 2011 und 2012 raus. Doch das, was ich am April meistens verschlang, war das im Februar erschienene neue Album von The Saddest Landscape. After The Lights ist wild und winselnd, wachrüttelnd und wütend. Monumentale Gitarren und Andy Maddox’ Stimme reißen ein Loch in das Raum-Zeit-Kontinuum. Ich nehme dankend an.
März - Die Nerven
März. Das reimt sich auf Kommerz. Im Zeitalter von Twitter, Facebook und Co. nimmt er ganz neue Formen an. Gerade für aufstrebende Musiker ist das Portal Bandcamp eine interessante Lösung des digitalen Zeitalters, um ihre Kunst unter die Leute zu bringen. Ihr erstes Album “Asoziale Medien” - für 3 Euro ein echtes Schnäppchen. So etwas herrlich angepisstes habe ich lange nicht gehört. Es kracht, es scheppert, es tut weh. Ende des Jahres kam mit “Fluidum” bereits der Nachfolger auf den Markt. Ebenso rau, doch bei weitem reifer. Von der Presse gefeiert, was mich sehr überrascht hat, aber vielleicht brauchte es etwas Sperriges, um für frischen Wind zu sorgen. Eine Zeitreise in die dreckigen 80er, vor der die Musikredakteure Angst hatten.
Februar - Foxy Shazam
Der Monat war geprägt von Orientierungslosigkeit - mit einem Schuss Glamour. Um etwas in die Spur zu finden, hörte ich vorwiegend ältere Sachen wie At The Drive-In, Milemarker oder Planes Mistaken For Stars. Wenn es ein wenig ruhiger werden sollte, war Listener an der Reihe.
Für den Glamourfaktor sorgten Foxy Shazam, ein absurder Rock-Act irgendwo zwischen Queen und The Darkness. Ende Januar veröffentlichten sie ihr viertes Studio-Album. “The Church Of Rock And Roll” war zwar nicht so stark wie die beiden Vorgänger, aber eine willkommene Abwechslung zur tristen Winterzeit.
Eigentlich hatte ich vor, mein Abendessen in Form einer Katze zu fotografieren und auf einen Street-Art-Blog zu posten, doch das war mir dann doch zu einfach. Da versuche ich lieber, mit euch meinen musikalischen Rahmen der letzten 12 Monate zu teilen.
Vor fast 20 Jahren habe ich angefangen, dem Soundtrack meines Lebens eine Form zu geben, fast Jahr für Jahr kamen neue Elemente hinzu. Stützpfeiler, die niemals wegbrechen werden. Aber auch Schmuckstücke, die ich immer wieder in Erinnerung rufe genauso wie die Phänomene, die mich nur für eine kurze Zeit in ihren Bann ziehen.
2012 bot wieder eine ganze Reihe großartiger Neuerscheinungen, die einen festen Platz in meiner Musiksammlung erhalten konnten.
Januar - Fine Before You Came, Ormai
Der Januar begann furios. Meine Lieblingsband aus Italien, Fine Before You Came, gab mir nach dem grandiosen “Sfortuna” eine neue Perle, “Ormai”. Als ich die Band Anfang der 2000er kennenlernte, war es melodiöser Punkrock auf englisch. Heute ist die Band erwachsen. Ein Erwachsensein, wie ich es kenne. Es kennt Verzweiflung und es kennt Hoffnung.
Im Januar wollte ich Monate der Verzweiflung durch ein Gefühl des Aufbruchs ersetzen. Fine Before You Came haben mir dabei geholfen, sie sind mit meinem Herz verschmolzen. Das Album gibt es als Gratis-Download und beim Indie-Label Roba Triste auf Vinyl.
Die Doppelschicht. Die Abendschicht. Die Rückwärtsschicht.
Ich ertrag es nicht.
Ich weiß woher. Und auch wohin. Der Wahn hat endlich Sinn. Der Wahn hat endlich Sinn.
Die Oberschicht. Die Mittelschicht. Die Unterschicht.
Ich mag es nicht.
Ich weiß woher. Und auch wohin. Der Wahn hat endlich Sinn. Der Wahn hat endlich Sinn.
Um den Schlag gebracht. Mitten in der Nacht. Wieder aufgewacht.
Schicht im Schacht.
Ich weiß woher, und auch wohin. Der Wahn hat endlich Sinn. Der Wahn hat endlich Sinn.
Wohin. Wohin. Kein Gin. Wohin. Kein Gin.
Deine Haut ist Neopren. Sie schützt Dich nicht, wirst schon sehen. Die Lungen voll, das Wasser kalt. Für dieses Meer bist Du zu alt.
Du schluckst. Und schluckst. Und schluckst. Spuckst Wasser aus. Hast Taucherhusten.
Der Fahrstuhl führt nur nach unten. Die Haie drehen schon ihre Runden. Sie fragen sich: Was soll der Dreck? Normalnull? Für Dich weit weg!
Du schluckst. Und schluckst. Und schluckst. Die Lichter gehen aus. Scheiß Taucherhusten.
Zu viel Druck. Die Adern platzen. Tschüss Trommelfell! Barotrauma! Schluss!
Enttäuschungsmanöver* - Taucherhusten
* Punk Rock. Work in Progress.
Lieg’ im Bett.
Letzte Kippe in der Hand.
Das ist mir egal.
Sie ist wie ich.
Längst abgebrannt.
Enttäuschungsmanöver* - Abgebrannt
* Punk Rock. Work in Progress.